Hilfe zur Selbsthilfe: Der Makerspace (September 2026)
Ganz leicht zu finden sind sie nicht, die Räume von „MakerSpace EBE – die offene Werkstatt im Raum Ebersberg“. Oben auf dem Berg, über den Dächern von Alt-Kirchseeon, hat der 2022 gegründete Verein auf dem Campus des Berufsbildungswerks (BBW) St. Zeno eine Heimat gefunden. Auf rund 120 Quadratmetern können die rund 50 Mitglieder ihrer Leidenschaft frönen, Neues zu schaffen und Altes wieder instandzusetzen.
Dafür stehen ihnen allerlei Maschinen und Werkzeuge zur Verfügung – zum Bearbeiten von Holz ebenso wie zum Bedrucken unterschiedlichster Materialien, 3-D-Druck, Laserschneiden oder dem Elektronikbasteln.
Zusammengebracht hat die Technikfreaks, Bastler und kreativen Visionärinnen der Wunsch, nach Herzenslust aktiv sein zu können. Und zwar – nach dem Eintragen in einen Kalender - dank elektronischem Schlüssel und der Abgeschiedenheit der Örtlichkeit, rund um die Uhr. Mit einer Ausrüstung, die man sich privat nicht mal eben so zulegt. „Wer stellt sich schon eine Kreissäge ins Wohnzimmer?“, sagt lachend Michael Graf. Der 66-jährige Vorstandsvorsitzende war schon bei der Gründung dabei und ist noch immer hellauf begeistert von dieser einzigartigen Community, die durch die Pflege des gemeinsamen Hobbys entstanden ist.
Das bestätigt auch Hans-Dieter Machuta, stellvertretender Vorstand: „Egal, welches Thema, man findet immer jemanden, der sich damit auskennt und Lust hat, einem bei Fragen oder Problemen zu helfen.“ Man müsse lediglich in den internen Chat schreiben.
Doch die Nutzung der Werkstätten dieses Zusammenschlusses von Gleichgesinnten, für die es, neben einer grundsätzlichen Einweisung in die Maschinen, bei Bedarf auch interne Schulungen zum Umgang mit bestimmten Maschinen oder Techniken gibt, ist nur eine der diversen Säulen des Vereins.
Von Anfang an war geplant, über die eigene Gemeinschaft hinaus zu wirken. Deswegen gibt es mehrere Workshops pro Monat mit Jugendlichen des BBW – die Teilnahme ist freiwillig, wird per Zertifikat bestätigt. Die Begeisterung, so hört man, sei so groß wie der Zulauf - vor allem, „weil die Kids dabei ‚fachfremde‘ Dinge“ lernen könnten. Unbeschreiblich sei der Stolz des Malers oder der Hauswirtschafterin beim Anblick eines selbst gefertigten Elektronik-Tannenbaums oder Schmuckkästchens. Und als man kurz vor Weihnachten die gemeinsam gebaute Murmelbahn – „4 x 1 Meter groß, mit allerlei Hindernissen“ – als Geschenk an den Kindergarten übergeben habe, „da standen die Macher mit Tränen in den Augen vor den Kleinen, die die Bahn sofort in Beschlag nahmen“, berichtet bewegt Uwe Fricke, ebenfalls im Vorstand des Vereins, der die Kursprogramme koordiniert. Jugendlichen ein solches Erfolgsgefühl verschaffen zu können, sei ungemein befriedigend.
Ebenso gut und wichtig sei es aber, schon den noch Jüngeren zu vermitteln, dass man technische Geräte nicht beim kleinsten Defekt auf den Wertstoffhof bringen müsse. Deswegen gebe es die „Repair-Kids“-Workshops. Bei diesen Unterrichtsbesuchen, die Mitglieder des MakerSpace in den Grund-, Mittel- oder Realschulen sowie Gymnasien der Gegend ehrenamtlichen absolvieren, „sollen die Kids lernen, dass das Reparieren sich lohnt.“ Jeder dürfe ein kaputtes Teil mitbringen und unter Anleitung selbst Hand anlegen. Von der Diskokugel über den Fön bis zur Kaffeemaschine der Direktorin habe man schon alles dagehabt. „Dabei geht es zwar vor allem um Nachhaltigkeit, aber eben auch um Selbstwirksamkeit“, betont Fricke.
Das sei auch der zentrale Gedanke beim Repair-Café, welches monatlich – abgesehen vom August – samstags in der Region stattfindet. Entweder in Kirchseeon im Café Zam oder, in Zusammenarbeit mit dem Familien- und Bürgerzentrum (FBZ), im Pfarrsaal der Kirche in Grafing. Auch dort stehe Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund.
Bevor sie am jeweiligen Ort aktiv werden, packen die „Reparierer“ des MakerSpace jede Menge Werkzeug sowie „Stecker, Schalter und alte Kabel“ in ihre Ape, das kleine vereinseigene Repairmobil. Mit einer Spende können die Besucher der Repair Cafés sich für die Reparatur und den angebotenen Kaffee und Kuchen erkenntlich zeigen.
Finanziert wird alles ausschließlich über Mitgliedsbeiträge. „Natürlich darf man uns auch was spenden“, sagt Graf augenzwinkernd. Schöner wäre es aber, wenn noch mehr Menschen den Weg in den Verein fänden, gerne auch Unter-18-Jährige: „Stichwort: Familienmitgliedschaften.“
Und am schönsten wäre es, man fände eine größere Fläche mit einem Extra-Raum, um das Angebot erweitern zu können – vielleicht sogar um bezahlte Seminare, wie es andere MakerSpace-Gruppen tun. „Gern hätten wir noch eine Metallwerkstatt, würden Schmuck-, Näh- und Töpferkurse machen wollen, vielleicht in Zusammenarbeit mit der VHS. Wir sind aktiv auf der Suche nach größeren Räumen“, erklärt Machuta.
Oder man könnte die Workshops für Kinder und Jugendliche intensivieren, wie sie jetzt schon bei speziellen Gelegenheiten stattfinden – zum Beispiel T-Shirts bedrucken oder Bürstenroboter bauen.
Dabei käme zum Tragen, was den MakerSpace jetzt schon ausmacht: die Weitergabe von Erfahrung und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen bei der Freude am Gestalten und Erhalten.
Wer neugierig geworden ist, schaut am besten bei einer der zwei Veranstaltungen im Monat vorbei – der Offenen Werkstatt oder einem der „Spotlight“-Vorträge zu Themen wie ‚Gravieren mit Laser‘ oder ‚3-D-Druck‘. Die Termine – wie auch für das Repair-Café – finden sich (ganz einfach!) auf https://makerspace-ebe.de.
Text: Michaela Pelz i.A. des Marktes Kirchseeon
Foto: Jarmila Hajek