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Die mit dem Rhododendron spricht: Ingeborg Fox (Juli 2026)


Die mit dem Rhododendron spricht: Ingeborg Fox (Juli 2026)

Manchmal hält das Leben selbst für jemanden, der von Berufs wegen viel herumkommt, Überraschendes bereit. Vor allem dann, wenn sich Erwartungen nicht mit dem decken, was man tatsächlich vorfindet. So wie in diesem Garten.

Das fängt schon damit an, dass Besitzerin Ingeborg Fox kein bisschen aussieht wie eine 85-Jährige. Doch noch frappierender ist der Anblick des Auslösers für den Besuch, angekündigt als „preisgekrönter Rhododendron“.

Vielleicht hätte man es sich denken können …, doch was da steht, macht einfach sprachlos. Denn es ist kein kleiner Strauch, kein großer Busch, sondern eine Offenbarung: Vor einer etwa 17 Meter hohen Birke erstreckt sich eine prachtvolle, grüne Wand von rund 70 Quadratmetern mit unzähligen rosafarbenen Blüten.

1979 habe ihr Mann das Gewächs eingesetzt, vermutet die Hausherrin. „Kurz nachdem er seinen Meister als Landschaftsgärtner gemacht hatte.“ Sie selbst wohnte damals noch gar nicht in Kirchseeon. Dorthin zog sie erst Mitte der Achtziger, nachdem Richard Fox das „kleine Holzhäusl“ seiner Eltern für Ingeborg und deren Tochter aus erster Ehe in ein gemauertes Heim verwandelt hatte.

Einen Ort der Ruhe und Erholung für ein Paar, das unter der Woche meist von „morgens sechs bis abends sechs“ beruflich unterwegs war. Beide arbeiteten in München; sie als Buchhalterin in der Personalabteilung der Polizei, während er sich im Auftrag der Stadt um diverse Parks kümmerte.

Genau daher stammte auch der Rhododendron. „Wenn eine Pflanze zu unansehnlich war, um in einem der Schlossparks eingepflanzt zu werden, durften die Gärtner diesen ‚Ausschuss‘ mitnehmen“, erzählt Ingeborg Fox.

Um daraus ein so imposantes Gebilde werden zu lassen, muss man sicher über beträchtliche Expertise verfügen, oder? „Nicht unbedingt. Das A&O ist die Erde“, widerspricht die gebürtige Münchnerin - „aufgewachsen über der Festwiese an der Schwanthaler Höhe“. Zwar sei ihr Mann Profi gewesen, sie selbst aber habe „gerade mal ein Gänseblümchen gekannt; in der Stadt gab es ja vor allem Ruinen.“

Tochter Claudia springt der Mutter bei: „Das Wachstum des Rhododendrons liegt tatsächlich am hiesigen Moorboden.“ Und möglicherweise daran, dass die Pflanze seit 2022 mehr Licht als früher bekäme. Damals nämlich habe ein nächtlicher Windstoß auf einen Schlag sieben Bäume entwurzelt – „der längste maß 25 Meter“. Zum Glück sei kein Schaden entstanden, aber man habe daraufhin den Bestand prüfen lassen und einige weitere Bäume gefällt. „Seitdem kann der Rhododendron sich in alle Richtungen ausbreiten“, erklärt Tochter Claudia, während sie zeigt, dass sich an der Rückseite der Mammutpflanze bereits weitere Triebe gebildet haben – mit Blüten in Zartrosa und Weiß.

Der Bodenbewuchs erinnert eher an eine Wiese als an einen englischen Rasen. „Den hätte die Mama zwar gern, hat es auch ein Jahr probiert, aber dann wieder aufgegeben“, verrät die Tochter mit einem Augenzwinkern.

„Ich mag es pflegeleicht“, entgegnet Ingeborg Fox darauf. Sie sei keine Gärtnerin im klassischen Sinne, darum suche man auch Blumenbeete vergeblich.

„Auf alles könnte ich verzichten, nur nicht auf meinen Rhododendron und den Farn daneben! Denen erzähle ich Leid und Freud.“

Darum könne sie auch eine Stunde oder länger auf der Terrasse sitzen und, ohne etwas anderes zu tun, einfach nur in den Garten schauen. „Der ist kein Hobby, der ist das Leben!“

Zum Beweis berichtet sie von dem Rehbock, der einige Wochen zuvor aus dem Rhododendron getreten sei und „in voller Pracht keine fünf Meter entfernt einfach nur dastand und wartete, bis seine Dame kam.“ Dann seien die beiden verschwunden.

Man habe öfter Rehe im Garten, „auch Kitze. Die sind früher sogar auf die Terrasse und am Fenster vorbeigekommen“, ergänzt Tochter Claudia. Ein weiterer Grund, warum man nicht wirklich etwas anpflanzen könne: „Die fressen alles.“

Doch sie vermisse auch nichts, habe auf der hinteren Wiese ihre Liege und den Grill, während die Mutter sich im vorderen Bereich, direkt hinter dem Haus, um ihren „Baum“, wie sie den Rhododendron nennt, kümmere.

„Wobei ich dabei nicht wirklich viel mache. Er wächst, wie er mag“, betont Ingeborg Fox. „Ich schneide nur mal raus, was kaputt ist. Andere brechen die verblühten Kelche aus, aber da komme ich ja gar nicht hin, das ist viel zu weit oben!“ Stattdessen rede sie „dem Baum“ gut zu und streichle ihn.

Man spürt, dass das nur teilweise scherzhaft gemeint ist – ganz offensichtlich zieht die Seniorin, wie schon ihr 2015 verstorbener Mann in gesunden und auch Krankheitszeiten, Kraft aus diesem Garten. Ernst ist es ihr auch mit der Aussage,

öffentliche Anerkennung für ihre gärtnerische Leistung brauche sie nicht. „Natürlich darf gerne kommen, wer uns kennt und fragt“, erklärt sie. Doch ansonsten bleibe ihr kleines, grünes Paradies privat.

Gefragt nach einem letzten Tipp, sagen Mutter und Tochter: „Man muss die Natur Natur sein lassen!“ Vielleicht sollte man sich das ja auch im Alltag mehr zu Herzen nehmen: Statt Erwartungen und vorgefertigter Meinungen das annehmen und schätzen, was ist.

Text: Michaela Pelz i.A. des Marktes Kirchseeon
Foto: Jarmila Hajek